Blake Snyder für Horrorautoren: Monster-Archetypen

Blake Snyder für Horrorautoren: Monster-Archetypen
Klasse Anleitung für Autoren aller Genres

Im letzten Beitrag hast Du erfahren, welche Elemente eine Horrorstory laut Blake Snyders Drehbuchbibel „Save the Cat! goes to the Movies“ braucht: ein Haus, eine Sünde und ein Monster.

Sehen wir uns jetzt die Monster-Archetypen näher an.

Die Funktion des Monsters im Plot ist immer dieselbe. Es bedroht den Helden mit dem Tod oder (schlimmer!) zieht ihn in den Wahnsinn hinab.

In Anlehnung an Joseph Campbells Monomythos könnte man also sagen: Es gibt nur ein einziges Monster.

Aber es manifestiert sich in unendlich vielen Gestalten.

Archetypen in Horrorgeschichten

Das Monster mit den tausend Gesichtern
Joseph Campbells Monomythos gilt auch für Gruselgeschichten

Blake Snyder kennt fünf Erscheinungsweisen des Monsters.

Leider fallen seine Definitionen sehr knapp aus. Trotzdem bieten die Kategorien einen guten Überblick über mögliche Antagonisten in Horrorgeschichten.

1. Echte Monster

Echte Monster sind Wesen aus Fleisch und Blut. Allerdings begegnen wir ihnen selten auf der Straße.

Eher entspringen sie der Mythologie, der Urzeit, den unendlichen Weiten des Weltraums oder einfach der Fantasie des Autors.

Beispiele:

2. Häusliche Monster

„Häuslich“ ist hier wie in „Häusliche Gewalt“ zu verstehen. Diese Monster bedrohen eine mehr oder weniger heile Familienwelt.

Beispiele:

3. Serienmonster

Unter die Kategorie “Serienmonster” fallen in erster Linie natürlich Serienkiller – seien es Einzeltäter oder Gruppen. Sie treiben ihr Unwesen vor allem im Splatter-Genre.

Beispiele:

4. Übernatürliche Monster

Diese Monster gehen über das menschlich Verstehbare hinaus. Sie stammen aus einer jenseitigen Sphäre der Dämonen und verfluchten Seelen.

Beispiele:

5. Nihilistische Monster

Diese Kategorie ist am schwierigsten zu fassen. Vielleicht meint Snyder mit “nihilistisch”, dass das Monster nicht-gesellschaftskonforme Werte vertritt. Damit gefährdet es nicht nur das Leben des Protagonisten, sondern fordert auch unsere Weltsicht heraus.

Beispiele:

Half-Man – der gezeichnete Mentor

Neben den Monster-Archetypen nennt Snyder eine weitere wichtige Figur in Horrorgeschichten: den Halbmann („Half Man“).

Anders als der Held ist der Half-Man dem Monster bereits begegnet. Dabei hat er häufig Verletzungen davongetragen, die ihm ein Körperteil oder einen Teil seiner Seele geraubt haben. Darum „Half Man“.

Der Halbmann verfügt über Informationen aus erster Hand über die Gefahr, die dem Helden droht.

Seine Funktion ist es, dem Helden und Leser etwas über die Natur des Monsters zu enthüllen. Aus archetypischer Sicht ist er ein „Flawed Mentor“.

 

Ash in Alien, Qunit in Der weiße Hai: Der "Half Man" fehlt in keiner guten Horrorgeschichte.
Der „Halbmann“ ist eine der spannendsten Figuren in Horrorstorys.

In den meisten Geschichten stirbt der Halbmann, laut der Schreiben-nach-Zahlen-Technik von Snyder ziemlich genau auf Seite 75 eines Drehbuchs.

Seite 75 entspricht in den gängigen Plotmustern der „Dunklen Nacht der Seele“ – der schlimmsten Wendung gegen Ende des 2. Akts, wenn für den Helden alles verloren scheint.

Beispiele:

  • Der Android Ash in „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“
  • Der Haifänger Quint in „Der weiße Hai“
  • Der übersinnlich Begabte Hallorann in „Shining“

Monster-Archetypen für Deine Story

  • In welche Kategorie passt Dein Monster?
  • Kannst Du es eindeutig zuordnen?
  • Wer hat Informationen über das Monster,
  • kann dessen Gefährlichkeit bezeugen und
  • Insider-Wissen preisgeben?
  • Wann und wie wurde die Figur vom Monster „halbiert“?

 

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Titelbild: pixabay

4 Gedanken zu „Blake Snyder für Horrorautoren: Monster-Archetypen“

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