Blake Snyder für Horrorautoren: Monster in the House!

„Save the Cat!“ („Rette die Katze!“) ist die Bibel der Drehbuchautoren – und berühmt-berüchtigt. Die einen halten das Buch für den heiligen Gral kommerziell erfolgreicher Storys, die anderen für das Ende lebendigen Erzählens. Gerade auch Horrorautoren finden darin ein spannendes Konzept: Monster in the House!

Fest steht, dass kaum ein Schreibratgeber so einflussreich ist wie „Save the Cat!“, und das nicht nur in Hollywood. Warum? Weil sein Autor Blake Snyder eine Formel gefunden hat, mit der sich die Struktur aller (!) erfolgreichen Drehbücher beschreiben lässt.

Schreiben nach Zahlen

Monster in the House! Blake Snyder, Save the CatBlake Snyder für Horrorautoren: Monster in the House!

Für Autoren heißt das: Der Plot ist kein Irrgarten mehr, sondern eine Autobahn mit klaren Etappenzielen. Und was in Kinofilmen funktioniert, eignet sich bis zu einem gewissen Grad auch für Romane und sogar Kurzgeschichten oder Creepypastas.

Keine Sorge: Wir steigen hier nicht in die Tiefen der Schreiben-nach-Zahlen-Lehre hinab. Uns interessiert, wie wir mit Snyder unser Genre besser verstehen und spannendere Geschichten schreiben können.

Save the Cat goes to the Horror Movies

In seinem Buch „Save the Cat! Goes to the Movies“ liefert Blake Snyder ein elegantes und hilfreiches Konzept für Autoren von Horrorstorys. Er nennt es „Monster in the House“. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um ein Genre, sondern um einen Storytyp. Das heißt: Nicht jede „Monster in the House“-Geschichte ist Horror. Und andersherum: Horror funktioniert nicht nur mit „Monster in the House“, sondern mit jedem Storytyp.

 

Elemente von Horrorgeschichten

Laut Snyder gibt es für Monster-in-the-House-Geschichten nur eine einzige Regel: „Werde nicht gefressen.“ Dazu nehme man ein Monster, ein Haus und eine Sünde. Nun stecke man einen Protagonisten in dieses Haus und lasse ihn auf das Monster treffen. Fertig ist der Gruselschocker. Ist es wirklich so einfach?

Nun, ein bisschen mehr braucht es schon. Aber Monster, Haus und Sünde sind die Zutaten, ohne die Du Deine Story nicht zum Kochen bringst – und damit auch nicht die Emotionen Deiner Leser.

Das Monster – immer gleich, immer anders

„Monster“ ist eine Chiffre. Sie kann für ein klassisch-übernatürliches Monster stehen, beispielsweise FrankensteinDracula oder einen Formwandler. Für ein modern-menschliches Monster wie Jason (Freitag der 13.), Freddy Krueger (A Nightmare on Elm Street) oder Jigsaw (Saw). Oder für eine abstrakte Gefahr wie eine Seuche.

Wichtig ist, dass die Fähigkeiten Deines Monsters über die eines Menschen weit hinausgehen – und dass es im Grunde seines Wesens „böse“ ist.

Die Monster-Kategorien von Blake Snyder im Detail >

Das Haus – Fluchtweg versperrt

Das „Haus“ ist eine Chiffre für einen begrenzten Ort, von dem es kein Entrinnen gibt. Dabei kann es sich um ein Zimmer, eine Stadt oder den gesamten Planeten handeln. Oder auch um nicht-geografische „Orte“ wie die eigene Psyche oder die Familie. Manchmal ist das Haus zugleich das Monster, wie in Das Haus – House of Leaves von Mark Z. Danielewski oder in diversen Geistergeschichten.

Das Prinzip ist klar: Euer Held ist gezwungen, sich auf engstem Raum dem Monster und damit seinen Ängsten zu stellen. Es wäre ja auch langweilig, wenn er einfach davonrennen könnte.

Beispiele:

 Die Sünde – Monster sind Rächer

Auch wenn es anfangs manchmal so scheint: Monster tauchen nicht plötzlich aus dem Nichts auf. Sie werden aus einer Sünde heraus geboren, oder neutraler gesagt: aus einer Schuld. Jemand hat das Monster erschaffen, ins „Haus“ gebracht oder profitiert wenigstens von seiner Existenz.

Die Sünde ist für die Story unter anderem deshalb wichtig, weil sie als Katalysator und auslösendes Moment fungiert und Potenzial für zusätzliche Konflikte liefert.

Blake Snyder über die Sünde in Horrorstorys
Quelle: Blake Snyder, Rette die Katze! (Save the Cat!)

Beispiele:

  • Ein Konzern will aus Profitgier einen extraterrestrischen Killer zur Erde bringen („Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“)
  • Der Bürgermeister einer Kleinstadt öffnet einen Strand trotz Haiwarnung, um die Einnahmen durch Touristen nicht zu gefährden („Der weiße Hai“)
  • Ein Multimilliardär spielt Gott und holt gefräßige Dinosaurier in die Gegenwart („Jurassic Park“)

„Monster in the House!“ für Deine Story

Mit den folgenden Fragen kannst Du herausfinden, was der Kern Deiner Horrorstory ist – und ob Du eine Horrorgeschichte à la „Monster in the House“ schreibst oder in einem ganz anderen Storytyp unterwegs bist.

    • Welcher Kategorie gehört Dein Monster an?
    • Wie macht es „Buh!“?
    • Was macht es im Vergleich zu anderen Geschichten originell?
    • Warum kann Dein Held nicht (physisch) vom Ort des Geschehens fliehen?
    • Was hält ihn emotional dort?
    • Was macht Dein Setting originell?
    • Worin besteht die Ursünde Deiner Story?
    • Wer hat sie begangen?
    • Lässt sich die Schuld wiedergutmachen – und wenn ja, wie?

© Storymonster.de 2017

Titelbild: pixabay

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