Horror plotten: In drei Schritten zur spannenden Story

Horror plotten: In drei Schritten zur spannenden Story
Top-Schreibratgeber für Thriller- und Horrorautoren

Horror plotten: In drei Schritten zur spannenden StoryVon Geistergeschichte bis Splatter: Horror- und Schauerstorys aller Subgenres folgen einer einfachen Plotstruktur.

Die vielleicht eleganteste Beschreibung für die Struktur von Horrorstorys gibt Christian Schärf in seinem großartigen Schreibratgeber Spannend schreiben: Krimi-, Mord- und Schauergeschichten.

Darin legt Christian Schärf das Schema erfolgreicher Gruselgeschichten frei.

Es ist darauf ausgelegt, die Spannung langsam zu steigern und die Ereignisse immer weiter eskalieren zu lassen.

Daran orientiert sich die folgende Infografik.

Wenn Du einen Plot für Deine Horrorgeschichte entwickeln willst, behalte diese drei Schritte im Blick.

1. Antizipation: Das Böse wirft seine Schatten voraus

Am Anfang des ersten Akts befindet sich Dein Held in einer entspannten Situation, vielleicht im Kreis der Familie oder beim Essen mit Freunden. Keine Gefahr, keine Bedrohung. Alltagsleben eben. Es mag der ein oder andere Konflikt angedeutet werden – damit die Figuren greifbarer werden und Dein Leser nicht einschläft. Aber alles in allem fühlt sich Dein Held pudelwohl. Das ändert sich jedoch schnell.

Horror plotten leicht gemacht: Infografik für das Schreiben von Gruselgeschichten. Anleitung zur Plotentwicklung in drei Schritten.

Etwas stimmt nicht. Die Katze faucht das Ölgemälde an, das Dein Held vom Flohmarkt mitgebracht hat. Der beste Freund berichtet von einer unheimlichen Begegnung mit einem Fremden. Es sind Schritte aus dem ersten Stock zu hören, obwohl dort niemand sein sollte.

Das ist der erste feine Riss in der Fassade der vertrauten Welt. Etwas Bedrohliches ist im Begriff, Gestalt anzunehmen. In den Tiefen der Anderswelt sammelt ein namenloses Etwas seine Kräfte, um Deinen Helden zu attackieren.

Zuerst treten die dunklen Vorzeichen eher subtil und vereinzelt auf. Dann immer offensichtlicher und gedrängter. Der Riss wird größer, dehnt sich aus, und unheimliches Licht fällt aus der anderen Welt in die gewöhnliche.

Warum ist die Antizipation, also Vorausdeutung des Grauens, so wichtig für den Plot der Geschichte? Weil sie Angstspannung erzeugt. Szene für Szene wird es unheimlicher, rätselhafter, gefährlicher.

Orte des Bösen

Oft ist die Antizipation mit den Stationen einer Reise verbunden. In dem Roman Dracula von Bram Stoker reist der junge Engländer Jonathan von München aus in den unbekannten Balkan. Je weiter er in die Fremde eindringt, desto unheimlicher werden seine Erlebnisse.

Es beginnt ganz harmlos mit fremden Gerichten, die ihm in Tavernen entlang seiner Route vorgesetzt werden. Dann offenbart ihm seine Reiselektüre nach und nach immer düsterere Geheimnisse der Karpaten. An seinem Zielort Bistritz schließlich flehen ihn seine Wirtsleute an, sofort umzukehren, als er sie nach Graf Dracula fragt.

Es hilft nichts. Er muss die Schwelle zur Anderswelt – und dem zweiten Akt – überschreiten.

Horror plotten - Zitat von Douglas E. Winter: In Horrorstorys prallt der prosaische Alltag auf eine mysteriöse, irrationale und potenziell übernatürliche Welt.

Der Warner am Waldrand

Viele Horror-Subgenres nutzen ebenfalls dieses Prinzip der eskalierenden Angstzonen.

In Backwood-Slashern beispielsweise begegnen die jugendlichen Helden häufig einem gruseligen Tankwart, bevor sie die finsteren Wälder betreten.

Manchmal ist dieser Warner identisch mit dem Halfman, einer weiteren archetypischen Figur in Horrorgeschichten. Sie ignorieren die offene oder versteckte Warnung und laufen so in ihr Verderben.

Für Autoren ist hier allerdings Vorsicht geboten: Der „Warner am Waldrand“ wurde schon in so vielen Plots eingesetzt, dass er leicht albern wirkt.

Schriftsteller gehen darum heute eher spielerisch mit diesem traditionellen Storyelement um. So dreht der ironische Metahorrorfilm Tucker and Dale vs. Evil die Perspektive: Dort sind die „Warner“ selbst die Helden, die sich gegen die Jugendlichen verteidigen müssen.

2. Manifestation: Das Monster nimmt Gestalt an

Im zweiten Schritt vertieft sich das Mysterium. Kleine verstörende Elemente rücken die gewohnte Welt immer weiter ins Unwirkliche oder Bedrohliche. Die Spannung steigt: Was steckt hinter den sonderbaren Ereignissen? Jetzt heißt es: Lass das Monster aus dem Schrank.

Der Held gewinnt einen ersten Einblick in das Wesen des Grauens. Es offenbart sich aber häufig noch nicht in seiner vollen Ausprägung. So sehen wir in Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt das Monster zunächst als Baby. Es ist zwar bereits bedrohlich, aber hat noch nicht seine fertige Form als nahezu unsterblicher Killer angenommen. Wir erfahren auch bereits etwas über seine übermenschlichen Fähigkeiten, beispielsweise dass sich sein Blut wie Säure durch Metall frisst.

Horror plotten - Bild aus "Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt"
Geburt des Grauens: “Alien” nimmt Gestalt an.

Mit der schrittweisen Manifestation des Monsters zieht sich die Schlinge immer weiter um den Protagonisten zu.

Am Ende der Sequenz haben Held und Leser erfahren, dass sie es mit einem realen und übermächtigen Feind zu tun haben.

Ein Sieg des Helden scheint ausgeschlossen.

 

 

 

3. Transzendenz: Das Monster wird außermenschlich

In der dritten und letzten Sequenz überschreitet die Bedrohung die menschlichen Maßstäbe endgültig. Das Monster offenbart eine wilde Fremdheit jenseits unserer Vernunft. Rationale Lösungen scheinen dagegen machtlos, die Verzweiflung des Helden steigt auf das Maximum. Der Killer erweist sich als Vampir, die sich nähernde Gestalt als Zombie, der Wolf als Werwolf.

Allerdings kennt natürlich jeder Leser heute bereits Vampire, Zombies und Werwölfe zur Genüge. Und weil wir nicht fürchten, was wir kennen, ist Originalität gefragt. Es gilt, ein Monster zu entwerfen, das frisch und neu wirkt.

Bei der Figurenentwicklung hilft es, im Hinterkopf zu behalten, dass das Monster über außermenschliche Fähigkeiten verfügen muss. Eine gute Leitfrage ist also: Welche Eigenschaft eines Dings, einer Pflanze, eines Tiers oder eines Menschen lässt sich ins Grauenhafte übersteigern? Auf dieser Basis lässt sich ein Monster entwickeln, das die Welt noch nicht gesehen hat.

Horror plotten - Zitat von Clive Barker: Horrorgeschichten zeigen uns, dass die Kontrolle, die wir zu haben glauben, reine Illusion ist. Dass wir in jedem Moment zwischen Chaos und Vergessen taumeln.

Horror plotten: Du bist dran

  1. Wurzelt das Grauen Deiner Story im Alltäglichen?
  2. Eskalieren die Ereignisse von Szene zu Szene?
  3. Gibst Du Deinem Leser früh genug Hinweise auf das Grauen?
  4. Verfügt Dein Monster über „außermenschliche“ Kräfte?

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Titelbild: Storymonster.de   

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