Pulp Storys schreiben: Die Plot-Formel von Lester Dent

Die Plot-Formel von Lester Dent (1904-1959) ist eines der beliebtesten Strukturmodelle für Kurzgeschichten. Lester Dent entwickelte sie in der Pulp-Fiction-Ära, dem goldenen Zeitalter der Groschenromane. Die Plot-Formel eignet sich denn auch vor allem für einschlägige Genres wie Abenteuer, Noir, Western, Mystery und Horror.

Plotten mit der Formel von Lester Dent

Lester Dent hat seine Plot-Formel für Kurzgeschichten mit 6.000 Wörtern entwickelt. Sie definiert, was an welcher Stelle unserer Geschichte passieren muss. Das gibt unserem Schreiben eine klare Struktur: Wir wissen immer, auf welches Ereignis wir in den nächsten Seiten zusteuern.

Die Methode von Lester Dent ist für Vielschreiber gedacht. Sie bietet eine einfache und doch hocheffektive Struktur, in der sich Ideen schnell und einfach umsetzen lassen – wenn’s sein muss auch im Café oder in der Kneipe. Type fast, type hard!

Mit der Formel können wir neben Kurzgeschichten auch längere Erzählungen oder Romane plotten. Allerdings gibt es hier vielleicht besser geeignete Strukturen, allen voran Heldenreise, Save the Cat! und das Sieben-Punkte-System.

Pulp Storys schreiben: Die Plot-Formel von Lester Dent
Pulp pur: Cover einer Story von Lester Dent aus dem Jahr 1934 (Quelle: Wikimedia Commons)

Die Plot-Formel von Lester Dent in vier Schritten

Schritt 1: Brainstorming

Zuerst überlegen wir vier Erzählelemente. Sie geben unserer Geschichte den Rahmen vor.

  1. Eine andere Mordmethode des Schurken. Knarre, Messer, Gift? Geht immer. Etwas ausgefallener darf es für den originellen Autoren aber schon sein.
  2. Eine andere Sache, die der Schurke sucht. Hinter was ist der Bösewicht her? Will er die Million aus dem Bankraub, Blutdiamanten oder einfach nur Rache?
  3. Ein anderer Schauplatz. In den meisten Fällen ergibt sich der Handlungsort aus Mordmethode und/oder gesuchtem Objekt – andersherum funktioniert es aber auch. Exotische Orte können der Story einen Extra-Kick geben, erfordern aber mehr Recherche.
  4. Eine wachsende Bedrohung. Wie eine Wolke hängt das Böse über dem Helden und ballt sich immer weiter zusammen. Damit stellen wir sicher, dass die Handlung spannend bleibt und bis zum Höhepunkt immer intensiver wird.

Das Wörtchen “andere” bezieht sich hier auf vorhergehende Storys. Die Botschaft ist: Mach’s anders, bring Abwechslung rein! Es müssen laut Lester Dent nicht alle Punkte originell sein. Ein “Anderes” ist gut, zwei sind besser, drei prima.

Mit diesen vier Punkten haben wir eine ideale Basis für unseren Plot. Wie geht’s weiter?

Schritt 2: Plotten

Große Aufgaben unterteilt man am besten in kleine Schritte. Auch beim Schreiben: Wir zerhacken die 6.000 Wörter unserer Kurzgeschichte in vier Abschnitte oder Akte à 1.500 Wörter (bei einem Roman ca. 60.000/15.000 Wörter). So bekommen wir die Textmasse gut in den Griff.

I. Die ersten 1.500 Wörter

  1. In der ersten Zeile (oder den ersten Zeilen) stellen wir den Helden vor und bringen ihn sofort in Schwierigkeiten. Wir deuten ein Geheimnis, eine Bedrohung oder ein Problem an, irgendeine konfliktreiche Herausforderung für den Helden.
  2. Der Held wird aktiv, um mit den Schwierigkeiten fertig zu werden. Er versucht, das Geheimnis zu ergründen, die Bedrohung zu besiegen oder das Problem zu lösen.
  3. Wir bringen ALLE anderen Charaktere so schnell wie möglich ins Spiel.
  4. Die Bemühungen des Helden führen ihn gegen Ende der ersten 1.500 Wörter in einen handfesten physischen Konflikt.
  5. Ganz am Ende der ersten 1.500 Wörter überraschen wir den Leser mit einem Plot-Twist.

An dieser Stelle fragen wir uns: Hat die Story Spannung? Gibt es eine Bedrohung für den Helden? Passt alles logisch zusammen?

II. Die zweiten 1.500 Wörter

  1. Wir konfrontieren den Helden mit noch mehr Konflikten.
  2. Der Held kämpft (heroisch, versteht sich). Seine Bemühungen führen direkt zu (3).
  3. Ein weiterer körperlicher Konflikt.
  4. Eine überraschende Wende beendet die zweiten 1.500 Wörter.

Wieder fragen wir: Ist der Abschnitt spannend? Wächst die Bedrohung wie eine schwarze Gewitterwolke? Spürt der Held die Gefahr im Nacken? Folgen die Handlungen logisch aufeinander?

III. Die dritten 1.500 Wörter

  1. Wir konfrontieren den Helden mit noch intensiveren Konflikten.
  2. Der Held macht Fortschritte und treibt den Schurken oder einen seiner Handlanger in die Enge.
  3. Ein physischer Konflikt.
  4. Eine überraschende Wende – hier bekommt der Held idealerweise richtig eins auf die Nase – schließt die 1.500 Wörter ab.

Und wieder: Ist die Geschichte noch spannend? Wird die Bedrohung immer düsterer? Befindet sich der Held in einer höllischen Klemme? Folgt alles logisch aufeinander?

IV. Die vierten 1.500 Wörter

  1. Wir stellen unseren Helden vor noch mehr Schwierigkeiten.
  2. Wir lassen den Helden regelrecht in Konflikten ertrinken. (Der Schurke hat ihn gefangen, sein Love Interest ist scheinbar tot, alles ist verloren – und gleich bekommt er unsere ANDERE Mordmethode zu spüren.)
  3. Der Held befreit sich mit seiner Spezialfähigkeit – das kann eine besondere Ausbildung sein oder pure Muskelkraft.
  4. Die Lösung eines großen Geheimnisses haben wir bis zu diesem Punkt aufgespart, um das Interesse der Leser aufrechtzuerhalten. Im Verlauf des finalen Konflikts lösen wir alle noch bestehenden Rätsel auf. Der Held ist dabei aktiv und nimmt die Situation selbst in die Hand.
  5. Der finale Dreh, eine große Überraschung: Der wahre Schurke ist der beste Freund, der Goldschatz existiert gar nicht oder dergleichen.
  6. Der letzte Knalleffekt: eine Punchline, die alles beendet.

Und wir prüfen wieder: Bleibt die Spannung bis zur letzten Zeile erhalten? Haben wir die Bedrohung bis zum Schluss anschwellen lassen? Wurden alle Fragen geklärt? Ist alles logisch? Hat ein deus ex machina den Bösewicht getötet oder war es der Held? Lässt die Punchline den Leser mit einem guten Gefühl zurück?

Noch mehr Tipps von Lester Dent für kurze Spannungsgeschichten

  • Der Hauptsinn der Plot-Formel von Lester Dent: Jede Pulp-Story braucht eine Bedrohung, einen eskalierenden Spannungsaufbau und physische Konflikte.
  • „Show, don’t tell“ ist die Maxime der Spannungsliteratur. Wir erzählen nichts über Dinge und Personen, sondern zeigen, wie sind aussehen und handeln. Der Leser muss das Geschehen klar und konkret vor Augen haben.
  • Neben den großen Plot-Twists braucht es auch kleinere Überraschungen, idealerweise eine pro Seite. So bleibt die Story unvorhersehbar und spannend. Ein Beispiel: Wenn sich eine Tür langsam öffnet, muss dahinter kein Mörder lauern. Es kann auch der Luftzug aus einem offenen Fenster sein. Nur: Warum steht das Fenster offen? Neue Frage, neue Spannung.
  • Wie charakterisieren wir die handelnden Figuren? Wir versehen jede von ihnen mit einer auffälligen Eigenschaft, die sie unverwechselbar macht. Die Möglichkeiten dafür sind unbegrenzt, sie reichen vom roten Halstuch über den Sprachfehler bis zum Pitbull an der Leine. Tritt die Figur auf, weisen wir auf „sein“ Merkmal hin.
  • Die physischen Konflikte sollten in jedem der vier Teile unterschiedlich verlaufen. Beim ersten Mal lassen wir vielleicht Fäuste sprechen, später setzen wir auf Messer, Brechstangen oder meinetwegen Kakteen. Auch hier gilt: Bloß keine Monotonie. Eine Ausnahme bilden Helden mit einem speziellen Move, den sie bei jeder Auseinandersetzung einsetzen.
  • Wir bauen unseren Plot so, dass permanent Action herrscht, alles logisch aufeinander folgt und die Spannung im Verlauf immer weiter steigt.
  • Action-Szenen schreiben wir lebhaft, schnell, ohne überflüssige Worte. Wir erzeugen Spannung, indem wir den Leser die Handlung sehen und spüren lassen.
  • Atmosphäre schaffen wir, indem wir alle Sinne der Leser ansprechen: Sie sollen das Geschehen hören, riechen, sehen, fühlen und schmecken.

Bildquelle: Pexels

© Storymonster 2019

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