Richard Laymon: Die 4 goldenen Regeln für Horrorautoren

Wir kennen Richard Laymon (1947-2001) als Autor kompromissloser Bestseller wie “Die Insel” oder “Der Keller”. Was macht Laymons Romane zu den besten Horrorgeschichten aller Zeiten – und was rät er angehenden Schriftstellern? Für die Horror Writers Association fasste Laymon zusammen, was er in seiner langen Karriere gelernt hat. Lasst euch von seinen zeitlosen Ratschlägen inspirieren.

Regel 1: Schreib das Buch, das Du gerne lesen möchtest

Der Weg zum Erfolg als Schriftsteller, sagt Richard Laymon, führt nicht über Imitation. Schreibanfänger sollten sich vielmehr fragen: Welches Buch würde ich selbst gerne lesen? Es kann nichts Echtes und Wahres dabei herauskommen, wenn wir lediglich andere Autoren kopieren. Die Welt braucht keine billigen Nachahmungen.

Natürlich kann man reich und berühmt werden durch Imitationen – sofern sie gut gemacht sind. Aber die Chancen stehen gut, dass wir uns damit ins eigene Knie schießen: Wir bleiben nicht nur arm und unbekannt, sondern berauben uns auch unserer Originalität. Also: Runter von der asphaltierten Straße und rauf auf neue Pfade, die erst entstehen, wenn man sie geht.

Richard Laymon Vier Regeln Schreibtipps

Aber wie macht man das: originelle Geschichten schreiben?

Wir fragen uns selbst: Wenn ich ein Buch über etwas lesen könnte, wovon würde es handeln? Wo und wann würde die Handlung spielen? Wer wäre der Protagonist? In wen wäre er verliebt? Und wo weiter.

Dann finden wir heraus, ob ein solches Buch bereits existiert. Dazu müssen wir über ein großes Wissen über den Buchmarkt verfügen – aber das sollten Autoren ohnehin. Wenn unser ideales Buch bereits existiert, wäre es unklug, eine eigene Version davon zu schreiben. Wenn es nicht existiert – schreiben wir es. Und zwar auf unsere eigene Weise.


Regel 2: Lerne, wie man schreibt

Eigentlich selbstverständlich: Autoren müssen ihr Handwerk verstehen. Doch erstaunlich vielen mangelt es an Wissen über Sprache, Grammatik, Interpunktion und Rechtschreibung. Nur weil man ab und zu E-Mails, Hausarbeiten oder Geschäftsberichte schreibt, ist man noch kein Thomas Mann oder Stephen King.

Richard Laymon erzählt eine schöne Anekdote. Auf einer Cocktailparty soll ein bekannter Chirurg zu dem berühmten Schriftsteller George Bernard Shaw gesagt haben: „Wenn ich in Rente gehe, will ich einen Roman schreiben.“ Der Autor antwortete: „Wenn ich in Rente gehe, will ich Menschen operieren.“ Die Pointe: Schreiben erfordert jahrelanges Training.

Einige angehende Autoren denken, dass ihr Lektor ihre Fehler schon irgendwann ausmerzen wird. Aber wer nicht schreiben kann, findet erst gar keinen Verlag. Und selbst der beste Lektor kann keinen schlecht geschriebenen Text in einen Bestseller verwandeln.

Laymon: “Wir tragen die Verantwortung dafür, Sprache besser als jeder andere zu verwenden. Ein Schriftsteller, der ein schludriges, fehlerbehaftetes Manuskript einreicht, ist wie ein Polizist, der eine Bank ausraubt. Das darf einfach nicht passieren. Das dürfen wir niemals tolerieren. Es ist eine Perversion der Natur.“

Natürlich darf man sich gewisse Freiheiten herausnehmen, die Regeln brechen, experimentieren. Doch die Regeln darf eben nur brechen, wer sie perfekt beherrscht. Klar ist aber auch: Wir können nicht alle Fehler vermeiden, dazu ist Sprache zu komplex. Wir streben nach Perfektion in dem Wissen, sie nie zu erreichen.

Regel 3: Schreib!

Der berühmte Science-Fiction-Autor Jerry Pournelle sagte einmal zu Richard Laymon: „Alles, was du tun musst, ist, eine Seite pro Tag zu schreiben. Dann hast du in einem Jahr einen Roman.”

Dranbleiben. Den Text kontinuierlich wachsen lassen.

Wie lange dauert es, eine Seite zu schreiben? Der eine braucht nur Minuten, sagt Laymon, aber der ist eher Schreibkraft als Schriftsteller. Der andere braucht zwei oder drei Stunden, doch der ist entweder eine Diva oder weiß nicht, was er tut. Die meisten benötigen 15 bis 30 Minuten, bei schwierigen Stellen vielleicht eine Stunde. Dafür findet jeder Zeit, wenn er wirklich Autor werden will. Laymon selbst schrieb 100 bis 150 Seiten pro Monat, sein Tagesziel waren fünf Seiten. Selbst als er noch einen Vollzeitjob hatte, schaffte er drei Seiten täglich, indem er jedes Zeitfenster nutzte: vor der Arbeit, in der Mittagspause, am Abend und im Urlaub.

Einige Tipps von Richard Laymon, um schneller zu schreiben:

1. Nur 15 Minuten Zeit? Das reicht nicht, um ins Schreiben hineinzukommen. Aber es genügt für Korrekturen, Überarbeitungen oder ein Brainstorming.

2. Ideal sind zwei bis drei Stunden Schreibarbeit am Stück, um wirklich warm zu werden.

3. Vor jeder Schreibsession sollten wir das gestern Geschriebene erneut lesen. Damit verbessern wir nicht nur den Text von gestern, wir kommen auch mental zurück in die Geschichte.

4. Sauber schreiben, aber nicht pedantisch. Nicht eine Stunde lang an einem Satz feilen, dafür ist später noch Zeit.

5. Folge Hemingways Rat: Höre dann zu schreiben auf, wenn du noch weißt, was als nächstes kommt. Das hilft am nächsten Tag, wieder reinzukommen.

6. Ablenkende Aktivitäten meiden: Wir sollten keine Beiträge für Zeitschriften oder dergleichen verfassen. Es ist wichtiger, Bücher zu schreiben, als Marketing zu betreiben und Kontakte zu knüpfen.

Regel 4: Schreib immer die Wahrheit

“Wahre” Belletristik? Klingt widersprüchlich. Die Geschichten sind schließlich erfunden. Aber: Wir sind verpflichtet, jedes Detail, das nicht direkt mit unserer Geschichte zu tun hat, korrekt zu beschreiben. Dazu zählen beispielsweise historische, geografische, wissenschaftliche und technische Fakten (einschließlich der Funktionsweise von Schusswaffen).

Wichtiger noch ist Wahrhaftigkeit in einem anderen Sinn: Was wir schreiben, sollte ausnahmslos aus uns selbst stammen. Jede Figur, jede Szene, jede Geschichte ist ein Spiegelbild von uns – und nicht aus Filmen, Fernsehsendungen, Artikeln oder Büchern geborgt. Um wirklich gut zu sein, müssen wir unsere eigenen Ideen entwickeln.

Wie das geht? Indem wir über Dinge schreiben, die wir persönlich in der realen Welt erlebt haben. Angenommen, wir wollen einen Vampirroman schreiben. Falsch wäre nach Richard Laymon der Ansatz: “Der Roman soll sein wie Dracula, nur anders“. So entsteht nur Mischmasch aus altem Zeug. Stattdessen suchen wir einen persönlichen Zugang zum Thema. Wie würde sich unser Leben ändern, wenn wir einem Vampir begegnen würden? Wo könnten wir auf ihn treffen? Wie würden wir, unsere Familie und unsere Freunde auf die Situation reagieren?

Die geheime Zutat herausragender Geschichten besteht aus Blut, Schweiß, Tränen, Herzschmerz und Freuden aus dem konkreten Leben des Autors. Um wahrhaftig zu schreiben, musst Du so tief wie möglich in Dir selbst graben und nutzen, was Du dort findest. Jeder Charakter, jede Szene, jedes Wort des Dialogs, jede Handlung ist deine Kreation. Das ist es, was sie einzigartig und wertvoll macht.

Richard Laymon: “Wenn Dir jemand sagt, du sollst mehr wie Tom Clancy oder Mary Higgins Clark oder John Grisham schreiben, dann antworte höflich: Vielen Dank und jetzt fahr zur Hölle.”

Es gibt Dich nur einmal im Universum. Schreib verdammt nochmal auch einmalig. Richard Laymon jedenfalls hat es getan. Zum Glück.

Die Schreibtipps von Richard Laymon erschienen zuerst auf der Website der Horror Writers Association: http://horror.org/writetips/writetips-laymon.htm

Titelbild: Pexels

© Storymonster 2019

error

Schreibe einen Kommentar

error

Komm auf die dunkle Seite.